Es war ein Spiel, dass für Klarheit
sorgen sollte. Auf Seiten von NawaRo Straubing war es als der
„Kampf um die Vorherrschaft in Niederbayern“ ausgerufen worden.
Das Ergebnis sprach dann auch eine deutliche Sprache: Mit 3:0
(25:13/25:19/25:22) siegten die Roten Raben aus Vilsbiburg und
bauten damit ihre Führung in der Sparda 2. Liga Pro weiter
aus. Nach 19 Spielen stehen die Roten Raben nun bei 55 Punkten.
Straubing bleibt trotz eines absolvierten Spiels mehr mit 48
Zählern auf Rang zwei.
Die Gäste präsentierten sich von Beginn an konzentriert und strukturiert. Mit stabiler Annahme, druckvollen Aufschlägen und konsequentem Angriffsspiel setzten sie die Gastgeberinnen früh unter Druck. „Wir wollten unser Ding durchziehen, wollten uns groß machen und breit machen auf dem Spielfeld – und das haben wir geschafft“, fasste Spielführerin Pia Fernau die Partie zusammen. Die Raben-Spielführerin, die in Straubing zum zehnten Mal zur MVP gewählt wurde, räumte ein, dass sie „doch mit Respekt in dieses Niederbayernderby gegangen sind. Aber wir haben uns nicht einschüchtern lassen“. Auch Trainer Guillermo Gallardo zeigte sich zufrieden: „Sie waren von Anfang an präsent und haben einen sehr guten Job gemacht.“
Und tatsächlich: Vom ersten Ballwechsel an setzten Fernau & Co. die Gastgeberinnen massiv unter Druck. Punkt um Punkt, Angriff um Angriff. Besonders Jeannette Huskic schien kaum zu stoppen. Schnell stand es 3:0, dann 8:3 – Straubing wirkte früh verunsichert.
Mit jeder gelungenen Aktion wuchs das Selbstvertrauen der Raben, während die Gastgeberinnen zunehmend nervös wurden. Beim 16:9 war die Körpersprache eindeutig – Zweifel statt Überzeugung. Nach nur 18 Minuten war der erste Satz mit 25:13 entschieden.
Gallardo hatte das Gefühl, „dass meine Mannschaft von der Atmosphäre in der Halle mehr profitiert hat“. Im zweiten Abschnitt hielten die Straubingerinnen zunächst besser mit, ehe Vilsbiburg erneut die Kontrolle übernahm. Doch dann übernahmen erneut die Roten Raben das Kommando; und es wurde deutlich leiser in der Halle. Beziehungsweise war das „Raben, Raben“ der mitgereisten Rabenfans immer deutlicher zu hören. War es im ersten Satz Jeannette Huskic, die die Akzente setzte, stach im zweiten Satz Tina de Groot hervor. Sie punktete aus allen Lagen; vor allem gegen ihre Einbeiner fanden die Straubinger Spielerinnen kein Mittel. Beim 14:10 erarbeiteten sich die Raben erstmals einen Vier-Punkte-Vorsprung, den sie kontinuierlich ausbauten. Trotz einer kurzen Aufholphase der Gastgeberinnen ging auch dieser Satz mit 25:19 an Vilsbiburg.
Nach der obligatorischen Zehn-Minuten-Pause kamen die Gastgeberinnen mit neuem Mut zurück. Wild entschlossen, kämpferisch, getragen vom Publikum. Vor allem ihre Spielführerin Valbona Ismaili punktete urplötzlich aus allen Lagen. Dennoch blieb Vilsbiburg in den entscheidenden Situationen stabiler. So holten sie sich nach einer langen Rallye bei 11:11 den Punkt und zogen über 16:13 auf 20:17 davon. Den dritten Matchball nutzten sie dann zum 25:22 und der Jubel war groß: Die Spielerinnen lagen sich in den Armen, Trainer Guillermo Gallardo umarmte seine Co-Trainerin Dona Kastrati. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem gesamten Team“, sagte der Argentinier nach dem Spiel und Pia Fernau ergänzte, dass sie durch diesem Sieg „mit mehr Rückenwind in das kommende Wochenende gehen“.
Diesen Schwung wollen die Roten Raben nun mitnehmen. Am Wochenende warten in der heimischen Ballsporthalle gleich die nächsten Aufgaben – gegen die jungen Wilden des VCO Dresden und den Tabellenvierten Planegg-Krailling. Doch eines ist nach diesem Abend klar: Wer die Spitze der Liga angreifen will, muss an den Roten Raben vorbei. Und die sind bereit zu fliegen.
Foto: Andreas Geißer
Text: Harald Schwarz