Die Eishockey-Bayernliga ist gnadenlos, und in diesem Jahr ist es wahrlich kein leichtes Unterfangen, wenn man es mit den Waldkraiburger Löwen hält. Erneut verlor der EHC Waldkraiburg ein Spiel, an dessen Ende man – im Falle eines Sieges – einen der Sonnenplätze der Tabelle hätte einnehmen können. Jene Plätze, die zur direkten Teilnahme an der Play-off-Runde berechtigen, bleiben den Löwen damit weiterhin verwehrt.
Nach dem Spiel sah sich Trainer Jürgen Lederer einmal mehr gezwungen, Worte zu wählen, die er in dieser Saison bereits zu oft bemühen musste: In dieser Bayernliga reiche es nicht, über 40 Minuten konzentriert zu agieren – es brauche über volle 60 Minuten höchste Aufmerksamkeit und Konsequenz.
Im ersten Durchgang setzten die Löwen durchaus offensive Akzente. Bereits in der dritten Minute landete der Puck erstmals am Torpfosten, als Anthony Dillmann nach einem Zuspiel von Tim Ludwig die rechte Torseite frei vor sich hatte, den Abschluss per Rückhand jedoch nur ans Stahl des Torpfostens setzte. Der Pfosten bewahrte die „Isar Rats“ vor einem frühen Gegentreffer. Das Kernproblem im ersten Drittel offenbarte sich jedoch in der Defensivarbeit, gepaart mit dem Umstand, dass Waldkraiburg im Gegensatz zu den Gästen einen deutlich höheren Aufwand betreiben musste, um überhaupt gefährlich vor das gegnerische Tor zu kommen. Dingolfing hingegen genügten häufig wenige, klar gespielte Pässe, um vor dem von Daniel Henter gehüteten Tor aufzutauchen und sich dort festzusetzen.
So geschehen in der vierten Minute: Ein Dingolfinger Angreifer drang ins Waldkraiburger Spieldrittel ein, bediente einen ungedeckten Mitspieler im Rückraum, dessen Schuss noch abgeblockt wurde. In der folgenden Unordnung reagierten die drei anwesenden Löwen-Verteidiger einen Moment zu spät, was Blake Luscombe im Gewühl nutzte, um das 0:1 zu erzielen. In weiten Teilen verlief der erste Abschnitt weiterhin im Sinne der Gäste. Die Angriffe der Löwen sorgten zwar immer wieder für Entlastung, blieben jedoch zu selten zwingend. So etwa in der zehnten Minute, als Waldkraiburg noch wenige Sekunden in Unterzahl agierte. Andris Džeriņš startete ein starkes Solo durch die Dingolfinger Verteidigung und legte quer auf Leon Decker, der jedoch erneut nur den Pfosten traf.
Auch in der 13. Minute prüften die Löwen die Stabilität des Torgestänges, als Daniel Hora von der blauen Linie abzog und lediglich die Querlatte traf. Effektiver zeigten sich dagegen die Gäste. In der 17. Minute platzierte Luscombe seinen Schuss erneut äußerst präzise am Helm von Henter vorbei, sodass dem Torhüter kaum eine Abwehrchance blieb. Nur eine Minute später erhöhten die Dingolfinger erneut. David Zucker, die zweite offensive Schlüsselfigur der „Isar Rats“, kam auch in dieser Szene ohne entscheidende Bedrängnis hinter dem Löwen-Tor hervor und hatte ausreichend Zeit, sich die Ecke für das 0:3 auszusuchen.
Nach diesem Treffer entschied sich Trainer Jürgen Lederer für einen Torhüterwechsel. Dieser war weniger als Schuldzuweisung zu verstehen, sondern vielmehr als Signal an die Mannschaft, denn Henter war an den Gegentreffern augenscheinlich nicht ursächlich beteiligt. Mit einem 0:3-Rückstand ging es schließlich in die erste Pause.
Für die Löwen trat an diesem Abend – etwas überraschend – Kapitän Nico Vogl wieder aufs Eis. Der eigentlich verletzte Topscorer, dem man die Schmerzen bei nahezu jeder Aktion ansah, wollte es sich nicht nehmen lassen, seinem Team in dieser entscheidenden Phase zur Seite zu stehen. Dennoch begann auch der zweite Durchgang zunächst nicht im Sinne der Hausherren. Bereits in der ersten Minute tauchte Dingolfing mit einer Zwei-gegen-eins-Situation im Waldkraiburger Spieldrittel auf, doch diesmal verteidigten die Löwen aufmerksam.
Mit zunehmender Spielzeit fand auch der EHC Waldkraiburg besser in die Partie und bekam – im Rahmen der Möglichkeiten – vor allem die Defensivarbeit stabilisiert. Nachdem Max Englbrecht in der 29. Minute einen Alleingang der Gäste entschärfte, gelang den Löwen der erste Treffer. Nach einem wuchtigen Schuss von Daniel Hora stand Nico Vogl dort, wo ein Torjäger stehen muss, und verwertete den Nachschuss konsequent zum 1:3.
Im dritten Spielabschnitt erhöhten die Löwen den Druck gegen zunehmend müde wirkende Dingolfinger Gäste. Erneut war es der angeschlagene Kapitän, der sich auf der Anzeigetafel verewigte. Nach rund fünf Minuten im Drittel prüfte Max Cejka den stark aufgelegten Gäste-Schlussmann Christoph Schedlbauer, der die Scheibe nur abprallen lassen konnte. Nico Vogl nahm erneut Schmerzen in Kauf und verkürzte auf 2:3. Die Hausherren witterten nun ihre Chance, das Spiel tatsächlich noch zu drehen.
Doch Schedlbauer und die Dingolfinger Defensive warfen in der Schlussphase alles in die Waagschale, machten die Räume eng und verteidigten mit großem Einsatz. Rund eine Minute vor dem Ende war das Tor der Löwen zugunsten eines sechsten Feldspielers verwaist, als Luscombe mit seinem Treffer ins leere Gehäuse den 2:4-Endstand herstellte und die Niederlage der Löwen besiegelte.
Der Mannschaft von Jürgen Lederer bleibt nun der Gang über die Pre-Play-off-Runde. Ob dieser mit Heimrecht angetreten werden darf, entscheidet sich aller Voraussicht nach erst am letzten Spieltag.Foto:
Yasmin Neumann
Bericht: Alex Ahrends