Man liebt sie und man hasst sie – zur selben Zeit. Es ist genau diese Phase der Eishockey-Bayernliga, die Fans wie auch Verantwortliche an ihre persönlichen Spannungsgrenzen bringt. Zwei Spieltage sind in der Hauptrunde noch zu absolvieren, und die Waldkraiburger Löwen befinden sich mittendrin im Pulk derer, die noch nahezu alles erreichen können. Hierfür müssen die Löwen am kommenden Freitag um 20:00 Uhr – Achtung, es handelt sich um eine geänderte Startzeit – zu Hause gegen Dingolfing ran. Am Sonntag darauf hat der EHC dann möglicherweise das entscheidende Spiel in Buchloe vor der Brust, um sich dort wichtige drei Zähler zu sichern.
Die gute Nachricht vorweg: Die Pre-Play-off-Plätze sind den Löwen sicher, ein direkter Weg in die Abstiegsrunde ist somit ausgeschlossen. Dennoch kämpft der EHC, aktuell auf Platz acht der Bayernliga rangierend, weiterhin sogar um den direkten Einzug in die Play-offs. So eng geht es derzeit in der Bayernliga zu – rechnerisch wäre für Waldkraiburg sogar noch Platz vier möglich, wenn auch eher unwahrscheinlich. Allein diese Tatsache verdeutlicht jedoch, wie extrem eng das Feld vor dem finalen Wochenende zusammengerückt ist.
Hierfür ist jedoch am Freitag um 20:00 Uhr in der heimischen Raiffeisen-Arena zunächst der EV Dingolfing zu besiegen. Das Hinspiel in der Marco-Sturm-Eishalle zu Dingolfing ging nach einer zwischenzeitlichen 4:1-Führung für den EHC Waldkraiburg letztlich mit 5:4 nach Verlängerung an die Löwen. Den entscheidenden Treffer in der Overtime steuerte damals Andris Džeriņš bei. Seitdem arbeiteten sich die „Isar Rats“ auf den derzeit siebten Tabellenplatz vor und liegen aktuell einen Punkt vor den Löwen. Dies bedeutet nicht nur ein Duell auf absoluter Augenhöhe, sondern auch, dass die Ausgangslage für beide Clubs nahezu identisch ist. Sowohl Dingolfing als auch Waldkraiburg könnten rechnerisch noch den vierten Platz erreichen – entsprechend intensiv und umkämpft dürfte dieses Topspiel auch werden. Besonders im Blick behalten muss die zuletzt wieder etwas unsicher agierende Löwen-Defensive dabei vor allem Blake Luscombe (24 Tore, 43 Assists) sowie Dingolfings Top-Transfer David Zucker (18 Tore, 40 Assists), die beide Spiele im Alleingang entscheiden können.
Buchloes Top-Scorer heißen Demid Podrezov und Adriano Carciola. Zusammen kommen sie zwar nicht auf die beeindruckende Punktzahl eines Blake Luscombe, das macht Buchloe jedoch keinesfalls weniger gefährlich. Traditionell sind die „Pirates“ kein einfaches Pflaster für den EHC Waldkraiburg, und daran wird sich – gerade unter enormem Druck – wohl auch am Sonntag nichts ändern. Für Buchloe ist die Messe bereits gelesen: Die Allgäuer wissen, dass sie in der Abstiegsrunde antreten werden und richten ihren Fokus entsprechend auf diese Herausforderung. Da kommt ein Gegner wie die Löwen, die in dieser Saison zwar nicht zu den absoluten Top-Mannschaften zählen, sich aber konstant im gesunden Mittelfeld bewegen, gerade recht. Entsprechend motiviert dürften die Freibeuter zu Werke gehen, um sich mit einem positiven Gefühl und neuem Selbstvertrauen auf die Play-downs einzustimmen.
Auch nach Buchloe werden die Löwen von einem Fanbus voller motivierter Anhänger begleitet. Trainer Jürgen Lederer wird nicht müde, dieses Engagement zu loben, welches in der Bayernliga keinesfalls selbstverständlich ist. Die Hoffnung ist durchaus berechtigt, dass diese so dringend benötigte Unterstützung vielleicht das entscheidende Quäntchen ausmachen und die Löwen im Saisonendspurt noch einmal zusätzlich antreiben kann. An der Motivation der Spieler wird es jedenfalls nicht scheitern. Dennoch musste Jürgen Lederer nach dem Spiel in Pfaffenhofen eine Hiobsbotschaft hinnehmen. Top-Torjäger, Kapitän, Motivator und frisch gewählter Sprade.tv-Spieler des Monats Dezember, Nico Vogl, musste bereits gegen Ulm verletzungsbedingt passen. Zu einem Zeitpunkt, an dem sein Team ihn als Antreiber und Führungsspieler besonders dringend benötigen würde, fällt der Kapitän aus – und ärgert sich darüber selbst wohl am meisten.
Doch auch ohne ihren Führungsspieler besitzen die Löwen die Qualität, am kommenden Wochenende sechs Punkte einzufahren. Sie werden alles daransetzen, genau das zu tun, um vielleicht doch noch das kleine Wunder der direkten Play-off-Qualifikation Wirklichkeit werden zu lassen.
Foto: Yasmin Neumann
Bericht: Alex Ahrends