Nur zwei Tage nach der denkbar knappen 4:5-Niederlage in Dorfen bekamen die Löwen am Sonntag bereits die Gelegenheit zur nächsten Partie gegen die Eispiraten. Dieses Mal jedoch auf heimischem Eis. Um 17:15 Uhr öffnete die Raiffeisen-Arena erstmals in dieser Saison ihre Türen für ein Heimspiel des EHC Waldkraiburg und 540 Zuschauer wollten sich den zweiten Teil des Doppel-Dorfen-Tests nicht entgehen lassen. Was sie zu sehen bekamen, war über weite Strecken ein souveräner Auftritt der Hausherren, die Dorfen am Ende deutlich mit 8:3 besiegten.
Von Beginn an übernahmen die Löwen die Kontrolle. Jakub Šrámek und Leon Decker sorgten bereits in den ersten Minuten für Gefahr, auch die Neuzugänge fanden früh gut in die Partie. Houdek überzeugte unter anderem mit einer starken Defensivaktion gegen Cheyne Matheson, während Bartek Bison kurz darauf im Slot eine gute Möglichkeit liegen ließ. Wenig später war auch Philipp Lode bereits frei durch, allerdings versprang ihm im entscheidenden Moment die Scheibe.
Das erste Powerplay unterstrich anschließend die Waldkraiburger Überlegenheit. Kokeš, Šrámek und Co. feuerten einen Abschluss nach dem anderen auf das Dorfener Tor, ohne jedoch den ersten Treffer zu erzielen. Auf der Gegenseite blieb Dorfen lange ungefährlich.
Ausgerechnet die erste Waldkraiburger Unterzahl brachte
schließlich die Führung. Leon Decker fing an der gegnerischen blauen Linie
einen Querpass mit dem Schläger aus der Luft ab, zog alleine auf das Dorfener
Tor und verwandelte flach links unten zum 1:0. Auch danach blieben die Löwen
spielbestimmend, konnten weitere gute Möglichkeiten jedoch nicht nutzen. Kurz
vor Drittelende kamen die Gäste dann etwas überraschend zurück. Während Dorfen
bereits in Unterzahl spielte, kassierten die Löwen ihrerseits eine
Doppelstrafe. Die Eispiraten nutzten die Gelegenheit und stellten auf 1:1.
Der Spielstand spiegelte den Verlauf der ersten 20 Minuten allerdings nur
bedingt wider. Waldkraiburg hatte das Drittel deutlich in der Hand
beziehungsweise in den Pranken, während Dorfen überwiegend reagieren musste.
Auch im zweiten Abschnitt änderte sich daran zunächst wenig.
Dennoch zeigten die Gäste, dass auch wenige Spielanteile reichen können, wenn
die vorhandenen Möglichkeiten konsequent genutzt werden. Nach rund fünf Minuten
liefen die Eispiraten einen Zwei-gegen-eins-Konter. Christoph Lode konnte den
ersten Versuch noch abwehren, beim Nachschuss war Waldkraiburgs Schlussmann
jedoch machtlos – 1:2.
Die Antwort der Löwen folgte allerdings nur Sekunden später. Santeri Ovaska
erhielt die Scheibe mit dem Rücken zum gegnerischen Tor und brachte den Puck
aus der Drehung per Rückhand zum 2:2 unter.
Kurz darauf folgte bereits der zweite Waldkraiburger Unterzahltreffer des Abends. Leon Decker machte sich mit der Scheibe auf den Weg nach vorne und legte am Verteidiger vorbei zum mitgelaufenen Florian Maierhofer. Dieser vollendete zum 3:2. Doch auch diese Führung hielt nicht lange. Fünf Sekunden vor Ablauf der Strafe war Christoph Lode davon ausgegangen, die Scheibe in der rechten Torecke unter sich begraben zu haben und blieb dort knien. Der Puck war jedoch weiterhin frei und wurde auf die andere Seite gespielt, wo Dorfen zum 3:3 einschieben konnte.
Nach rund zehn Minuten wurde es erstmals richtig
derbywürdig. Rene Mertz wurde von hinten in die Bande gecheckt, woraufhin sich
eine kleinere Keilerei entwickelte. Das Resultat waren fünf Strafminuten gegen
Dorfen und zwei gegen Waldkraiburg. Selbst im zunächst folgenden
Vier-gegen-vier wirkten die Löwen dabei zeitweise wie in Überzahl. Martin Kokeš
fand sich für einen Verteidiger an ungewohnter Stelle neben dem Tor auf der
Grundlinie wieder und bugsierte den Puck durch die kleine Lücke zwischen
Torhüter und Pfosten zum 4:3.
In der Folge wurde die Partie durch zahlreiche weitere Strafzeiten zunehmend
zerfahren. Zwischenzeitlich wurde aus einer doppelten Waldkraiburger Überzahl
sogar eine doppelte Unterzahl. Doch auch Dorfen leistete sich weitere Vergehen
und sorgte damit für reichlich Betrieb auf den Strafbänken.
Als sich das Geschehen langsam wieder normalisierte, schlugen die Löwen erneut
zu. Kurz nachdem Waldkraiburg wieder komplett war, spielte Rene Mertz einen
langen Querpass zu Santeri Ovaska, der seinen zweiten Treffer des Abends zum
5:3 erzielte.
Auch im Schlussabschnitt ließen die Hausherren nicht locker.
Nach rund drei Minuten erreichte ein langer Pass Philip Kaer an der blauen
Linie. Kaer nahm die Scheibe auf und donnerte den Puck links oben zum 6:3 in
die Maschen.
Den nächsten Treffer erzielten die Löwen erneut mit einem Mann weniger. In der
49. Spielminute setzte sich Andris Džeriņš trotz enger Begleitung durch einen
Gegenspieler durch, blieb vor dem Dorfener Tor ruhig und schob zum 7:3 ins
kurze Eck ein. Damit hatte Waldkraiburg an diesem Abend bereits drei
Unterzahltreffer erzielt. Den Schlusspunkt setzte Leon Decker. Eine Minute vor
dem Ende machte Waldkraiburgs Nummer 34 seinem Spitznamen wieder einmal alle
Ehre und wurde zum „Doppel-Decker“. Mit einem satten Schuss ins linke obere Eck
erzielte er seinen zweiten Treffer des Abends und stellte den 8:3-Endstand her.
Gleichzeitig war deutlich zu sehen, dass die Mannschaft mit jeder weiteren Einheit auf dem Eis besser zusammenfindet. Die Abläufe wirkten sicherer und auch die neuen Spieler fügen sich zunehmend gut in das bestehende Team ein. Nach der knappen Niederlage fünf Sekunden vor Schluss am Freitagabend fiel die Antwort der Löwen zwei Tage später jedenfalls deutlich aus: Das erste Heimspiel der neuen Saison ging mit 8:3 an Waldkraiburg.
Fotos: Yasmin Neumann
Bericht: Alex Ahrends