Die Saison in der Eishockey Bayernliga biegt für die Waldkraiburger Löwen in ihre entscheidende Phase ein. Ab jetzt zählen keine Ausreden mehr, keine Tabellenkonstellationen, keine Rechenspiele. Jetzt geht es um den Klassenerhalt. Wenn der EHC Waldkraiburg am Freitagabend ab 19:00 Uhr in der Raiffeisen-Arena in die Play-Down-Halbfinalserie gegen den ESV Burgau startet, beginnt eine Best-of-Five-Serie, die über Wohl und Wehe dieser Spielzeit entscheidet. Zwei Spiele innerhalb von 48 Stunden gegen die Eisbären aus Burgau eröffnen das Duell, ehe sich zeigen wird, in welche Richtung diese Serie kippt.

Der Blick auf die nackten Zahlen könnte dabei trügerisch wirken. Waldkraiburg beendete die Hauptrunde mit 50 Punkten auf Rang acht, stellte mit 141 Treffern die drittgefährlichste Offensive der Vorrunde und kassierte vergleichsweise wenige Gegentore. Burgau dagegen landete mit lediglich 16 Punkten abgeschlagen am Tabellenende und musste über die Saison hinweg eine Flut an Gegentoren hinnehmen. Doch genau hier liegt die Gefahr solcher Serien: In den Play-Downs wird die Tabelle bedeutungslos. Es zählt nur noch, wer drei Spiele gewinnt – gleich wie.

Dass die Löwen grundsätzlich die Qualität besitzen, Spiele zu entscheiden, steht außer Frage. Zwei Spieler in den Top Ten der gesamten Bayernliga-Scorerliste sprechen eine klare Sprache. Jakub Šrámek und Nico Vogl sammelten jeweils 70 Punkte und prägten die Offensive über Monate hinweg. Dahinter zieht Andris Džeriņš als Spielmacher die Fäden, während Daniel Hora aus der Defensive heraus regelmäßig Akzente setzt. Doch wie entwickelt sich der Krankenstand. Fast Gebetsmühlenartig betete Trainer Jürgen Lederer bei allen öffentlichen Auftritten dasselbe herunter: „Ich hoffe, dass einige der Verletzten wieder zurückkehren können“. Dennoch, seit Wochen spielen die Löwen quasi auf der berühmten „letzten Rille“. Oftmals hatte man Glück, dass die „Oans Bee“ oder der Kooperationspartner EV Landshut Spieler schickte, um den Kader auffüllen zu können.

Ein Detail, das in der Außendarstellung oft untergeht, könnte in dieser Serie besonders wichtig werden: die Disziplin. Waldkraiburg beendete die Hauptrunde in der Fairnesswertung auf Rang drei der Liga (321 Strafminuten). Nur zwei Teams kassierten weniger Strafminuten. In einer Serie gegen Burgau, das selbst zu den meistbestraften Mannschaften gehört (480 Strafminuten), könnte genau dieser Punkt den Ausschlag geben. Die Löwen verfügen über eines der gefährlichsten Powerplays der Liga und gleichzeitig über ein starkes Penalty Killing. 14 Unterzahltore sind ein unerreichter Wert in dieser Saison, den kein weiteres Team erreichen konnte. Bleiben die Löwen diszipliniert, verschiebt sich das Kräfteverhältnis automatisch zu ihren Gunsten.

Doch Burgau darf man nicht auf die Rolle des Außenseiters reduzieren. Die Eisbären reisen ohne Erwartungsdruck und mit vielen Fans an. Niemand rechnet mit ihnen. Genau diese Konstellation macht Play-Down-Serien so unberechenbar. Spieler wie David Ballner oder Andreas Wiesler verfügen über genügend Qualität, um Spiele zu kippen, wenn ihnen Raum und Zeit gelassen werden. Burgau braucht keine perfekte Serie – Burgau braucht nur einzelne Momente, in denen die Löwen ins Wanken geraten. So wie bei der überraschenden 2:1-Niederlage des EHC Waldkraiburg am 11.01.2026 in Burgau. Hier waren es genau zwei Momente die zur bitteren Niederlage der Löwen führten: Die 12. Und die 51. Minute. Hier gilt es für den EHC Waldkraiburg auch bei einer Torhüter-Wand wie Philipp Schnierstein die Lücken zu finden, er war es, der den „Eisbären“ letztlich den Sieg festhielt.

Zusätzliche Würze erhält diese Begegnung durch die gemeinsame Vergangenheit. Beide Vereine standen sich bereits jüngst in einer Entscheidungsschlacht gegenüber, damals im Landesliga-Finale um den Aufstieg. Waldkraiburg setzte sich am Ende durch und machte den Aufstieg in die Bayernliga perfekt. Erinnerungen, die auf beiden Seiten präsent sind. Für die Löwen ist es ein positives Kapitel der Vereinsgeschichte. Für Burgau eine offene Rechnung.

Das erste Wochenende dieser Serie könnte bereits eine Vorentscheidung bringen. Spiel eins am Freitag um 19:00 Uhr in der Raiffeisen-Arena ist von enormer Bedeutung. Ein Heimsieg würde Selbstvertrauen und Ruhe bringen, ein Ausrutscher dagegen sofort Druck erzeugen. Nur zwei Tage später folgt Spiel zwei in Burgau (18:30 Uhr) – ein Charaktertest unter völlig anderen Vorzeichen. Wer nach diesem Wochenende mit einer 2:0-Führung dasteht, hat die Serie im Griff. Wer mit 1:1 zurückkehrt, startet praktisch neu. Und wer in Rückstand gerät, spielt plötzlich gegen Zweifel.

Die Voraussetzungen sind klar verteilt. Waldkraiburg verfügt, sollte es ausreichend Rückkehrer geben, über mehr Tiefe im Kader, über stärkere Special Teams und über größere Erfahrung in entscheidenden Spielen. Doch genau solche Serien werden nicht durch Talent entschieden, sondern durch Konsequenz. Durch Geduld. Durch die Fähigkeit, auch das unspektakuläre Spiel anzunehmen und Fehler zu vermeiden.

Jetzt zählt nicht mehr, wie eine Saison begonnen hat. Jetzt zählt nur noch, wie sie endet. Am Freitag beginnt die Wahrheit. Am Sonntag wird sich zeigen, wohin der Weg führt. Und danach wird man wissen, ob die Löwen den ersten Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht haben – oder ob ihnen eine lange, nervenaufreibende Serie bevorsteht.

Foto: Yasmin Neumann
Bericht: Alex Ahrends